Schlussendlich, wenn auch mit 20 Stunden Verspätung, bin auch ich in Delhi angekommen.
Am Flughafen war das Geldbesorgen noch mal ne kleine Herausforderung. Durch die plötzliche „Entwertungs- und Umtauschaktion“ ist immer noch viel zu wenig Geld im Umlauf. Die Geldautomaten sind leer und die Banken haben zu bzw. reichen die Schlagen davor bis zu den Straßen und viele der Menschen schlafen sogar davor. Mit Geldabheben ist daher nichts. Meine sicherheitshalber eingepackten Euros habe ich nach 45-minütigem Schlangestehen umgetauscht bekommen. Sind zwar nur 50 Euro, aber fürs erste sollte es reichen.
Um 2 Uhr nachts war ich dann endlich im Bett. Allerdings nicht lange, denn um 5.30 Uhr klingelte auch schon wieder der Wecker. Meine lieben Arbeitskollegen haben mir zum Abschied eine Fahrradtour durch Old Delhi geschenkt. Also bin ich frühmorgens zusammen mit zwei Engländern, zwei Amerikanern und einem indischen Päärchen aus Mumbay auf unseren orangen Fahrrädern (passend in FTI-orange) durch Old Delhi gedüst. Ganz schön halsbrecherisch teilweise. Aber es war ne super tolle Sache. Eine ganz spezielle Atmosphäre, wenn die kunterbunte und quirlige Metropole erwacht und das geschäftige Markttreiben beginnt. Vom Treffpunkt am „Delite Kino“ gings zum quirligen „Chawri Bazar“, danach vorbei an der „Fatehpuri Mosche“ und zum Gewürzmarkt. Ein tiefer Atemzug und die Augen laufen über, das Husten ist nicht zu unterdrücken und die Nasen brennen. Man hat das Gefühl, Chillipulver pur einzuatmen. Der Blick über die Dächer Old Delhis entschädigt dafür ganz schnell wieder. Genauso die farbenprächtig gefüllten Gewürzsäcke, die an den Mauern lehnen. Weiter strampelten wir zur „Madras Colony“ in einer sehr stillen und noblen Wohngegend. Den Geräuschen nach, fühlt man sich hier eher im Dschungel als mitten in der Metropole Delhi. Dann gings zu den „Civil Lines“, zum „Maiden Hotel“ und im Anschluss gabs an einem kleinen Straßenstand ganz klassisch süßen Tee (Chai) und Gebäck. Nach der Stärkung fuhren wir vorbei an der „Old Delhi Railway Station“ zum „Red Fort“ und zur „Jama Masjid“. Zum Abschluss gabs dann noch ein typisch indisches Frühstück in einem kleinen, lokalen Restaurant. Naan mit Eintopf. Vielen Dank meine lieben FTI-ler! Das war ein suuuper Geschenk!
An alle, die Delhi besuchen: macht diese Tour! Wirklich eine ganz tolle und andere Art, die Stadt zu erkunden.
Den Nachmittag hab ich zuerst mit den beiden Engländern in der “Jama Masjit“, der größten Moschee Indiens und danach mit den beiden Indern im Park und im Craft Museum verbracht. Später bin ich dann nochmal auf eigene Faust durch Old Delhi gestiefelt, eine Brille hab ich mir machen lassen und bin danach groggi ins Bett gefallen.
Den nächsten Vormittag habe ich auf dem „Main Bazar“ verbracht. Wie immer quirlig, staubig, bunt und laut. Das ist Indien!
Danach bin ich mit dem Zug nach Agra gefahren. In der Holzklasse mit dem Fußvolk. Krass! Ich bin ja schon viel Zug gefahren in ganz Südostasien, aber das ist noch mal ne andere Nummer. Gitter statt Fenster, harte Bänke, darüber Liegen und vollgestopft bis zum Gehtnichtmehr. Aber es war toll und authentisch! So wie Indien eben ist. Saubere „Luxuszüge“ kann ich auch daheim haben. Dafür reise ich. Um die Länder und deren Menschen so kennen zu lernen, wie sie wirklich sind. Und: auch diese Züge kommen an. 😉
Zum Taj Mahal kann man nicht mehr sagen als WOW. Unbeschreiblich schön und beeindruckend. Zu Recht wird es von vielen als „das schönste Gebäude der Welt“ bezeichnet. Von mir definitiv auch. Von der Dachterrasse meines Hostels hat man einen ganz tollen Blick darauf. Da habe ich mein erstes Abendessen genossen. Ein Muss für jede, der hier her kommt.
Am nächsten Morgen war ich zum Sonnenaufgang am Taj Mahal und bin 4 Stunden geblieben. Hätte aber locker den ganzen Tag damit verbringen können, diese architektonische Schönheit zu bestaunen.
Danach gabs Frühstück und im Anschluss ging das Agra-Programm weiter. Die vielen kleinen Gässchen können locker alleine erkundet werden. Viele Souvenirläden, Restaurants und Marktstände gibt’s da.
Im Anschluss gings weiter zum Agra Fort. Wer gut zu Fuß ist, kann die Strecke laufen, ansonsten gibt’s jede Menge Moto-Taxis (nach dem thailändischen Vorbild auch als TukTuk bekannt). Übersehen und überhören kann man die, bzw. deren Fahrer nicht. Das Fort ist ebenfalls ein beeindruckendes Bauwerk und hinter den meterdicken Außenmauern gilt es, ganz viel Spannendes zu entdecken.
Wer dann nochmal Lust auf das Taj Mahal im Sonnenuntergang von einer anderen Perspektive zu erleben, der nimmt sich ein TukTuk und lässt sich auf die andere Flussseite bringen. Ich habs selber nicht gemacht, habe aber Bilder gesehen. Im Vordergrund der Fluss, in dem sich das Taj Mahal spiegelt und dahinter die untergehende Sonne. Zum Abendessen kann ich wärmstens das „Shankara Vegis“ empfehlen. Richtig nett und das Beste, man wird von draußen nicht schon reingezerrt. Es läuft ganz entspannt (wie für uns normal) ab.
Joa, das ist das klassische Eintagesprogramm für Agra. Wer mehr Zeit hat, kann am zweiten Tag noch nach Fatehpur Sikri fahren. Soll ne tolle antike Stadt sein, die ca. 23 km von Agra entfernt liegt. Ich habs nicht gemacht, war zu faul.
Joa, das war Agra. Am nächsten Morgen hab ich mich zum Bahnhof fahren lassen, hab mir ein Ticke geholt (dieses Mal noch günstiger, da kein reservierter Sitz – 1,50 Euro für 3 Stunden Fahrt) und in 5 Minuten ist der nächste Zug schon gefahren. Perfektes timing.
In Delhi angekommen habe ich wieder im Smile Inn eingecheckt und mich zu Fuß auf den Weg zum Connaught Place gemacht. Die alten viktorianischen, weißen Bauten mit ihren massiven Säulen reihen sich in drei Ringen um den Central Park. Hier gibt es jede Menge westliche- und Designergeschäfte. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum es hier ruhiger zuging. Die „normalen“ Inder sind hier nicht zu Hause. Hier konnte ich mich ein wenig entspannen und wurde nicht alle 10 Meter angesprochen (vielleicht nur alle 20). Außerdem gibt’s hier ganz tolle kleine Läden, die tolles Kunsthandwerk aus allen Regionen Indiens verkaufen. Aber meine Mission des Tages war es, das „Indian Coffee House“ zu finden. Ich habe vor kurzem das Buch „Vom Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden“ gelesen. Eine wahre Geschichte, die ganz viel, am Connaugh Place und im Indian Coffee House stattgefunden hat. Also habe ich mich auf Spurensuche gemacht und wurde fündig. Das Indian Coffee House habe ich entdeckt (wenn ich es zuerst allerdings fast übersehen hätte). Es Gebäude hat definitiv schon bessere Tage gesehen. Wobei ich glaube, dass das schon immer so aussah. Nur meine Vorstellungen waren ganz anders. Aber nichts desto trotz, hab ich die Seitentreppen durch ein Kaufhaus genommen (der Morast lief von den Wänden) und war dann da. Auch hier ziemlich ernüchternd das Ganze. Durchgesessene und kaputte Stühle und schäbige Einrichtungen. Trotzdem, viele Inder, die was auf sich halten, gehen hier ein und aus und schlürfen ihren Kaffee. Also hab ich mich auf die Terrasse an einen freien Tisch gesetzt und einen „Chai“ bestellt. Worauf die Ernüchterung folgte. Hier gibt es nur Kaffee. Also dann gibt’s eben einen „Special Coffee“. Aber trotzdem toll hier zu sitzen, wo ein Teil einer ganz beeindruckenden Lebensgeschichte stattgefunden hat. Wer hier her kommt, aber auch an alle anderen: das Buch ist sehr lesenswert.
Ein bisschen Trouble gabs dann noch beim Abholen meiner Brille. Natürlich war sie nicht fertig. Meinen Zug nach Rishikesh hab ich nach langem hin und her auf einen Tag später gelegt. Ich hatte glücklicherweise noch einen Tag als Puffer eingeplant. Das lehrt die Erfahrung. Denn das ist Indien! 😉
Diesen Puffertag in Delhi hab ich gemütlich verbracht mit einem entspannten Frühstück, Brille abholen (sie war wirklich fertig!), und sünnele auf der Wiese im Central Park. Die ganzen jungen Päärchen treffen sich hier zum kuscheln. Küssen darf man sich öffentlich nicht. Deshalb haben die alle ein Tuch oder ähnliches dabei, was sie über ihre Köpfe legen. So sieht keiner, was darunter passiert, aber jeder weiß es. Ein sehr unterhaltsames Spektakel für uns Westler. 😉