Rishikesh – YOGA, Om & Shanti

Nach einer gesamt fünfstündigen Fahrt mit Zug und Bus bin ich in Rishikesh angekommen. Die „Geburtsstadt“ des Yoga liegt ganz im Norden Indiens am Fuß des Himalayas und direkt am Ganges. Wenn das nicht die perfekte Ausgangslage ist, sich einen Monat voll und ganz aufs Yoga zu konzentrieren.

Ich muss zugeben, dass ich mit gemischten Gefühlen hier angekommen bin. Klar, ich wusste, was Yoga ist. Aber ich kannte das nur aus Deutschland und Irland. Was mich in Indien bei den richtigen Yogis erwartet, wusste ich absolut nicht. Wie die Gurus und Lehrer so drauf sind, ob ich mich in was ganz abstruses verrenn, ob ich körperlich den Ansprüchen genüge… Ich bin aber auch nie auf die Idee gekommen, mich damit auseinanderzusetzen. Das hätte nur zum Gedanken-hin und her drehen geführt und Unsicherheit geschürt. Es ist doch immer das Beste, ganz offen, unbefangen und ohne irgendwelche Vorurteile und Erwartungen an was neues ranzugehen. Und genauso hab ichs gemacht und ich wurde belohnt.

Ich bin hier in einem sehr nett und herzlich geführten Guest House untergebracht. Die angeschlossene Yogaschule sowie das Restaurant liegen im angrenzenden Gebäude und sind über ein Labyrinth aus gefühlten 1000 Treppenstufen miteinander verbunden. Das tägliche Workout wird hier so ganz automatisch gemacht: Früh morgens hoch zur Yogahalle, dann runter ins Zimmer, wieder hoch und runter ins Restaurant, hoch in die Yogahalle, Zimmer, Yoga, Restaurant usw. Po und Oberschenkel werdens mir danken. 😉

Wir sind ne ganz kleine Gruppe, was super toll ist. Dabei sind Ariella, Iranerin, 25 Jahre und Cedrick, Franzose, 30 Jahre. Ne coole Mischung unsere Truppe. Da wir so wenige sind, können die Lehrer wirklich intensiv mit uns arbeiten und wir können ganz viel fragen.

Am ersten Tag gabs morgens ne ganz beeindruckende „opening ceremony“ für uns. Zusammen mit unseren Lehrern wurden wir von einem Priester in großer Runde rund ums Feuer mit viel Rauch, Blumen und Farben im Gesicht gesegnet. War wirklich sehr, sehr schön und inspirierend.

Nachmittags gings dann regulär mit dem Stundenplan weiter.

Wie mittlerweile bestimmt jeder weiß, ist der Bewegungsteil nur ein ganz kleiner Teil von Yoga. Sonst könnte man es auch Akrobatik oder sonst wie nennen. Deshalb sieht unser Stundenplan auch so toll abwechslungsreich aus:

6.30 – 7.00                 Shatkarma (Reinigung)

7.00 – 9.00                  Asanas (einzelne „ Akrobatikübungen“)

9.00 – 10.00               Frühstück

10.00 – 12.00              Yoga Philosophie (worum geht’s beim Yoga eigentlich, Herkunft, was steckt dahinter)

12.00 – 13.00             Mittagessen

13.00 – 15.00             Yoga Anatomie (Einfluss des Yoga auf den Körper. Wo und wie)

15.00 – 17.00              Alignment & Adjustement (Anpassungen/Korrekturen der „Akrobatik“. Wie korrigiert man was am Menschen.

17.00 – 18.00             Pranayama, Meditation, Mantras (Atemtechniken, Meditation, Mantras)

19.00                                Abendessen

Wir bekommen super gesundes und leckeres indisches Essen nach einem festen Plan serviert. Ist immer ne tolle Überraschung und sind vor jedem Essen immer super gespannt.

Die ersten Tage waren extrem spannend aber auch verdammt anstrengend. Das ständige Konzentriertsein bin ich gar nicht mehr gewohnt. Dazu kommen natürlich noch die körperlich sehr, sehr fordernden Einheiten. Die ersten 3 – 4 Tage habe ich mich geistig und körperlich einfach nur erschöpft gefühlt. Trotz 9 Stunden guten und tiefem Schlaf, hätte ich einfach immer und überall einschlafen können. Dazu kam noch der Muskelkater in bestimmt jedem Muskel meines Körpers. Es gab glaub keine Stelle, die nicht geschmerzt hat.

Doch glücklicherweise hab ich mich recht schnell an das straffe Programm gewöhnt. Nach 4 – 5 Tagen war der Muskelkater wie weggeblasen und auch meine Müdigkeit hat plötzlich nachgelassen. Dafür werden die Asanas nun schwieriger und intensiver. Aber es macht super viel Spaß.

Die Yoga-Begeisterung wird täglich übertroffen. Dass Yoga ne super Sache ist, wusste ich schon immer. Aber je mehr ich mich nun mit der ganzen Sache beschäftige, desto begeisterter bin ich davon. Am liebsten würde ich einen meiner lieben Lehrer (oder am liebsten alle) einpacken, um euch das alles möglichst intensiv und echt weitergeben zu können. Yoga ist ohne Zweifel die grundlegende Essenz eines zufriedenen, gesunden und ausgeglichenen Lebens. Für eines friedliches Miteinandersein und die Liebe zu sich selbst und allen Lebewesen. Hört sich super abgehoben oder auch naiv an, ist aber so. Davon brauchen wir in unserer Welt noch viel, viel mehr.

Ja, und so flogen die Tage nur so dahin. Mit Yoga, essen, lernen und schlafen. Montag bis Samstag sind Unterrichtstage. Den Sonntag haben wir frei. Die Schule organisiert sonntags oft Ausflüge für uns. Heute waren wir in einer Höhle, direkt am Ganges gelegen in einem wunderschönen Tal, nicht weit von hier. Darin hat scheinbar ein Yogi namens Vashishth mehrere Jahre lang ohne Essen und Trinken gelebt. Die dauerhafte Meditation hat ihm das wohl möglich gemacht. Solche Sachen hört man ja immer wieder… Obs wahr ist oder nicht, ich weiß es nicht. Jedenfalls haben wir danach noch ein wenig die Sonne am Ufer des Flusses genossen, bevor es mit den Rollern wieder zurückging.

Hinterlasse einen Kommentar