Der Sonnenschein wollte uns von nun an treu bleiben (bis auf wenige Ausnahmen).
Nach einem weiteren kurzen Zwischenstopp am „Lake Taupo“ ging‘s weiter in Richtung Süd-Westen nach „New Plymouth“. Die Strecke dorthin ist atemberaubend schön. Zuerst geht’s durch hügelige Weidelandschaft mit Wäldern, Schafen und Kühen. Sieht aus wie Irland. Und sobald man das Meer erreicht hat, verändert sich die Umgebung schlagartig. Man fährt die Küste entlang nach Süden und wird begleitet von einem Meer in allen grün-türkis-blau-Schattierungen, die man sich nur vorstellen kann. Kombiniert mit steilen Klippen, kleinen Sandbuchten und kilometerlangen, weissen Sandstränden.
„New Plymouth“ ist ein hübsches, kleines Städtchen. Für meinen Geschmack das erste mit etwas Charme, ein paar Blumenkästen und netten Cafés. Es liegt direkt am Meer und hat ne schöne Promenade zum entlangspazieren. Wir haben uns an einem der Strände in der nahen Umgebung niedergelassen und einen Tag in der Stadt ausgespannt und Erledigungen getätigt.
Im Anschluss ging unsere Reise weiter nach „Wellington“. Auch hier wurde ich positiv überrascht. „Wellington“ ist eine Grossstadt und deshalb habe ich mir nichts Schönes versprochen, vor allem nicht in Neuseeland. Wurde aber gleich eines besseren belehrt. Es gibt hier neben den neuen Hochhäusern viele schöne, alte Gebäude. Besonders hübsch sind die hölzernen Wohnhäuser, die sich in allen Farben entlang der grünen Hügel rings um die Innenstadt drapieren. Richtig schön anzusehen. In der Innenstadt ist es rings um die Cuba Street richtig nett mit vielen kleinen Läden, Boutiquen und Cafés. Hier gibt es täglich einen Food Market, den „Capital Market“ und immer freitags und samstags einen Nachtmarkt mit Essensständen aus der ganzen Welt. Suuuper lecker und nur zu empfehlen!
Eigentlich wollten wir eine Nacht hier bleiben und am nächsten frühen Nachmittag die Nordinsel nach knapp drei Wochen verlassen und mit der Fähre auf die Südinsel fahren. Da diese Fähre schon picke packe voll war, haben wir uns für den nächsten Tag früh morgens entschieden. Wir hatten also noch einen weiteren Tag in Wellington, den wir mit Museumsbesuch, bummeln, Kaffee und Kuchen und einer Bierverkostung verbracht haben.
Am nächsten Morgen hiess es früh morgens aus den Federn kommen, packen und ab auf die Fähre. Juhuuuu, die Südinsel ruft!!! 🙂
Die Überfahrt nach „Picton“ dauerte ca. 5 Stunden. Scones und Kaffee haben wir auf der Fähre bei Sonnenschein und herrlichem Ausblick genossen. In „Picton“ selbst gibt’s nicht viel zu sehen. Ein kleines Städtchen mit Yachthafen und ein paar Cafés. Nach einigen Erledigungen und einem kleinen Mittagessen am Hafen gings gleich weiter nach „Nelson“. Wir haben hier einen netten kleinen Campingplatz an einem Bach im Wald ausserhalb der Stadt gefunden. Ein nettes Plätzchen zum Entspannen.
Der Nächste Walk sollte der „Abel Tasman Coastal Walk“ werden. Um gleich morgens starten zu können, haben wir uns für die Nacht vorher einen kleinen Campingplatz, oder besser gesagt, einen Acker mit Klo ausgesucht. Der „Abel Tasman Coastal Walk“ ist einer der Great Walks und hat den Titel allemal verdient. Bisher ist er mein Lieblingswalk. Wirklich wunderschön. Eigentlich ist die Strecke mit rund 60 km für vier bis fünf Tage ausgelegt. Da es hier aber relativ viele Hütten und Campingplätze auf dem Weg gibt, kann man sich die Strecke locker anders einteilen. Wir haben den Walk in drei Tagen gemacht. Die Unterkünfte muss man sich allerdings schon vorher aussuchen, buchen und bezahlen. Ohne Buchung, kein Great Walk. Auch nicht mit Zelt. Das ist leider der Nachteil bei den Great Walks. Die Strecke verläuft entlang der Küste an der nördlichsten Spitze der Südinsel. Teilweise im Wald, teilweise bergig, teilweise flach und am Strand oder Meer entlang. Und immer traumhaft schön, zwischen Märchenwald und türkisfarbenen, menschenleeren Stränden. Zweimal mussten wir die Schuhe ausziehen, da die Flut schneller war als wir oder der Bach zu tief. Der zweite und längste Tag mit 35 km hat es zum Schluss nicht gut mit uns gemeint. Müde und kaputt hat etwa eine Stunde vor unserem Etappenziel der Regen eingesetzt. Und dann lag da auch noch ein Berg zwischen uns und unserem Campingplatz. Dort angekommen, mussten die Zelte erst noch aufgebaut werden. Im strömenden Regen, mit starkem Wind und klitsch nass. Die Stimmung war angespannt und die Nerven strapaziert. Glücklicherweise lag die dazugehörende Hütte gleich daneben. So konnten wir wenigstens im Warmen essen und uns umziehen. Doch zurück in den Regen und ins nasse Zelt wollte keiner wirklich gern. Am nächsten Morgen meinte es Petrus glücklicherweise wieder gut mit uns und der Tag begrüsste uns mit blauem Himmel und Sonnenschein. Die Zelte und Kleider konnten trocknen und wir in der Sonne frühstücken. Die letzte Etappe haben wir kurz gewählt, da wir eine lange und nicht ganz einfach zu handelnde Strecke bis zu unserem Auto per Anhalter zurücklegen mussten. Denn mal wieder war der Walk kein Rundweg. Und zu Beginn war‘s auch nicht einfach mit dem Trampen. Das Ende des Walks liegt am A** der Welt und wir mussten erst einmal einige Kilometer zurücklegen, ohne auch nur ein einziges Auto zu Gesicht zu bekommen. Dann hatte aber glücklicherweise eine nette ältere Dame Erbarmen mit uns. Sie war gerade auf dem Weg zu ihren Enkeln. Wir wissen nun alles über die drei Knirpse und sind um eine nette Bekanntschaft reicher. In „Takaka“, der nächsten Stadt angekommen haben wir uns in einem sonnigen Café ein kleines Mittagessen gegönnt, bevor wir uns auf die nächste Etappe gemacht haben. Von nun an sollte es gut laufen. Gleich nach Ortsausgang hat uns ein sehr „spezieller“ Kerl mit seinem Geländewagen eingesammelt. Alleine wollte ich bei ihm nicht unbedingt im Auto sitzen. Aber so viel zu Vorurteilen… Er entpuppte sich als total witziger und extrem lustiger und herzlicher Mensch. Er ist selber viel gereist und weiss, wie es Backpackern ergeht. Er hat auch direkt an der Kreuzung, an der uns abgeladen hat, weitere Leute mitgenommen. Ein klasse Kerl! Nun standen wir an einer Kreuzung und mussten noch den Berg, der zwischen uns und unserer „Camry“ lag, hinter uns bringen. Auch hier mussten wir nur zwei bis drei Kilometer laufen und ein netter Engländer hat uns eingesammelt und bei unserer „Camry“ abgeladen. Lief wie am Schnürchen und tausendmal besser als erwartet. So konnten wir den späten Nachmittag entspannt nutzen, um ein Stückchen nach Süden zurückzulegen und ein nettes Plätzchen zu finden. Das haben wir auch. Hier sind wir gleich zweieinhalb Tage geblieben und haben wir ein wenig relaxt, gelesen, gebacken, gekocht (denn die hatten eine richtig gut ausgestattete Küche), Haare geschnitten, gejoggt und Yoga praktiziert.
Das kommende Wochenende wollten wir eigentlich für einen mehrtägigen Walk nutzen. Allerdings war das Wetter anderer Meinung. Wir haben den verregneten Samstag deshalb genutzt, um einige Kilometer in Richtung Süden zurück zu legen. Das ist das tolle hier in Neuseeland. Kann man einen Walk nicht machen, fährt man einfach der Sonne nach und versucht es an einem anderen Ort. Man hat hier so viele Möglichkeiten. Da kann man ganz flexibel und spontan entscheiden oder umplanen.
Den nächsten (zum Glück nur noch halb verregneten und grauen) Tag haben wir rund um den „Franz Josef Glacier“ verbracht. Tolle Landschaft, wenn auch mit viel grau ringsum.
Der nächste Halt war „Wanaka“. Ein beliebter Ferienort, auch bei einheimischen Touristen. Im Sommer um zu wandern und die Atmosphäre rund um den See zu geniessen, im Winter um in den umliegenden Bergen Wintersport zu betreiben. Der Ort selbst sieht wie ein europäischer Urlaubsort aus mit vielen Restaurants und Geschäften. Auch die Region ringsum ist wirklich super schön mit ganz vielen Bergen, Seen und Weinbergen. Hier sind wir auf den „Roy’s Peak“ gekraxelt. Die Aussicht über die Seen und Berge mit gepuderten Gipfeln ist einfach grandios. Auch eine Weinprobe in einem der vielen Weingüter sollte man sich nicht entgehen lassen. Wir waren in der „Rippon Winery“. Diese Familie legt sehr viel Wert auf biodynamische Erzeugung. Das gesamte Weingut liegt wunderschön auf einem Hügel, der See und die Weinreben zu Füssen. Und auch der Wein war super lecker.
Im Anschluss gings zum „Mount Cook“, dem berühmtesten Berg Neuseelands mit 3.724 m. Bei diesem Walk klettert man nicht auf den schneebedeckten „Mount Cook“ selbst, sondern bestaunt ihn von einem der umliegenden Bergen. Man kann die Tour in einem oder zwei Tagen machen und man stiefelt den gleichen Weg runter wie zuvor schon nach oben. Oben gibt es eine Hütte, in der man übernachten kann. Eigentlich wollten wir’s gemütlich machen und in der Hütte schlafen. Die war allerdings schon ausgebucht. Also haben wir’s in einem Tag gemacht. Der Weg verläuft fast ausschliesslich über Stufen und Geröll und geht recht in die Beine. Der Ausblick auf die umliegenden Gletscher und Seen macht die Anstrengungen bei Weitem wett. Was mir aber noch viel besser gefallen hat, ist der „Mount Cook“ und all die Schneeberge von unten statt von oben. Auf dem Weg zum Walk fährt man entlang an einem riesigen See und hat die imposanten Berge im Sonnenschein vor sich liegen. Wunderschön und wirklich zu empfehlen. Am Fuss und gleichzeitig Start des Walks gibt es einen einfachen Campingplatz. Dort haben wir im Anschluss eine Nacht geschlafen bevor es am nächsten Tag nach „Queenstown“ ging.
„Queenstown“ ist wie „Wanaka“ einer der Ferienorte, vor allem zur Wintersaison. Dieses Städtchen ist ein wenig grösser und gefällt mir persönlich besser. Gleich wie „Wanaka“ liegt auch „Queenstown“ an einem See und bietet ein grosses Angebot an Aktivitäten. Auch soll es hier den „besten Burger der Welt geben“. Wollten wir ausprobieren. Die Schlange vor dem Lokal hat uns aber gleich umkehren lassen. Wartezeit von mindestens zwei Stunden für nen Burger?!?! Dann doch lieber ne Pizza nebenan. 😛
Nach einem Tag „Queenstown“ ging die Reise weiter in Richtung Süden. Eigentlich wollten wir einen der drei Great Walks im Fjordland machen. Die sind allerdings entweder ausgebucht oder schweineteuer. Und es muss ja auch nicht unbedingt ein Great Walk sein. Es gibt unzählige andere tolle Walks, die mindestens genauso schön sind, nur ohne den Namen. Die Frage war nur wo. Wir haben uns aus wettertechnischen Gründen für den Süden entschieden. Im Norden, rund um „Milford Sound“ sollte es die kommenden Tage regnen. Das wollen wir zum Schluss, sofern das Wetter mit macht, noch nachholen.
Also ging die Reise weiter nach „Tuatapere“, wo wir eine Nacht geschlafen haben, bevor es am nächsten Morgen zum „Hump Ridge Track“ ging. Der Trekk mit rund 60 km dauert eigentlich 3 Tage. Es gibt auch nur zwei Hütten, die so verteilt sind, dass man keine andere Möglichkeit hat. Allerdings sollte das Wetter nur für zwei Tage halten und eine der Hütten war privat und deshalb extrem teuer. Also haben wir uns für die Tour in zwei Tagen entschieden. Das hiess, der erste Tag war mit rund 20 km relativ entspannt. Der zweite Tag mit rund 40 km und dem einzigen Berg auf der Tour eher weniger. Wir sind am besagten zweiten Tag rund 12 Stunden gelaufen und erst abends am Auto angekommen. Hatten keine Lust mehr, einen Campingplatz zu suchen. Also gab‘s auf dem Parkplatz Nudeln mit Butter und eine Nacht im Auto. Da „Wildcampen“ hier strengstens verboten ist und mit einer Strafe von 200,- NZD zu rechnen ist, mussten wir gleich morgens wieder abdüsen. Es war nicht ideal aber trotzdem wunderschön. Wir sind im Sonnenschein marschiert und hatten atemberaubende Ausblicke auf das Fjordland und die vielen Berge und Seen. Und am nächsten Morgen gab‘s ein ausgedehntes Frühstück an einem der Strände am südlichsten Punkt der neuseeländischen Südinsel.
Da ich mich entschieden habe, meinen Neuseelandaufenthalt um eine Woche zu verlängern (es gibt hier einfach zu viel zu sehen), haben wir von nun an noch etwas mehr Zeit und können es entspannt angehen lassen. Gestern sind wir entlang der Küste ein wenig weiter nach Osten gefahren und haben an der „Curio Bay“ Halt gemacht. Ein ganz raues Klima hier unten. Viel Wind, steile Klippen, Schafe, Kühe, Pinguine und Robben. Erinnert mich mal wieder ganz stark an Irland. Wir hatten dazu einen heftigen Sturm mit Regen und Stromausfall. Weniger schön, wenn man sich nach drei Tagen ohne Duschen und Sauwetter auf ne heisse Dusche freut, diese aber leider ausblieb… Stattdessen hiess es Zähne zusammen beissen und unters eiskalte Nass hüpfen. 😦
Heute Morgen wurden wir zwar immer noch mit Wind, dafür aber vom Sonnenschein geweckt. Delfine haben wir gesehen, Robben und Pinguine leider noch nicht. Vielleicht morgen. Nach dem Frühstück sind wir weiter in Richtung „Dunedin“ gefahren und haben in „Kaka Point“ Halt gemacht. Ein netter, kleiner Küstenort. Hier gabs Kaffee und Kuchen mit Blick auf den rauen Ozean und nun sitz‘ ich in der Küche auf einem netten, kleinen Campingplatz und bin fleissig.