Südkorea – Kultur, Kreativität und ganz viel Kulinarik

Zum Abschluss der ersten Hälfte meiner grossen Reise hat es mich nach vielen Planänderungen (zwischen Sri Lanka und Japan) schlussendlich nach Südkorea gezogen. Nicht unbedingt das populärste Reiseziel Asiens aber dennoch „warum nicht?“. Bestimmt sehr spannend und interessant, dachte ich mir und wurde nicht enttäuscht.

Nach dem ganz ursprünglichen und einfachen Leben in Nepals Bergen fühlte ich mich erst einmal erschlagen. Total überwältigt von der entwickelten und westlich wirkenden Welt hier. Es sieht fast aus wie daheim. Supermärkte, mehrspurige Strassen, saubere Gehwege, gepflegte Gärten, Einkaufsstrassen und internationale Restaurants.

Alles in allem nicht gerade das, was mich auf Reisen anspricht. Aber wir wollen ja mal  nicht voreilig urteilen…

Leider war ich ein wenig zu spät dran, um die weltweit bekannte Kirschblüte zu erleben (die gibt’s nämlich nicht nur in Japan). Hauptblütezeit ist Anfang April. Zu dieser Zeit muss es hier einfach total bezaubernd schön aussehen. Überall, entlang der Strassen, in den Parks und in den Gärten laden weiss-rosa blühende Bäume zum Träumen ein. Die meisten Bäume waren bei meiner Ankunft leider schon verblüht. Dennoch habe ich hin und wieder ein ganz hübsches, zartrosa Exemplar entdeckt.

Auch wenn das sehr moderne und fortschrittliche Erscheinungsbild nicht unbedingt „meins“ ist, hat mich Südkorea auf den zweiten Blick begeistert. Neben all der „normalen, westlichen Welt“ findet man hier ganz ganz viel alte Kultur Geschichte. Die zahlreichen hölzernen Tempel mit den aufwändig bunt bemalten Schnitzereien sind einfach fantastisch. Auch die zahlreichen Museen erzählen auf ganz interessante Weise über die ereignisreiche Geschichte des Landes. Und dann ist da die K-Pop- und Manga-Kultur. Alles bunt, übertrieben, leuchtend und auffallend. Die Kreativität der jungen Leute hat mich sehr beeindruckt. Sei es in Kunst (ich habe ganz viele Galerien besucht), Klamotten, Frisuren, Make-up, Musik, Dekoration oder Werbung. Alles sehr schillernd und eindrücklich.

Ein weiteres Highlight für mich ist das Essen hier. Die Koreaner essen, so scheint es, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Egal, ob in kleinen Orten oder grossen Städten, in den Strassen reihen sich Restaurant an Restaurant und die sind immer rappel voll. Wahnsinn! Und sie essen hier nicht nur viel, nein, auch total lecker und gesund. Ganz viel Suppen, Reis, Gemüse, Tofu und Fleisch (ohne geht’s kaum. Aber dazu gleich mehr). Und dazu werden viele kleine Tellerchen mit Beilagen, z.B. in Chilli eingelegter Kohl, süss-sauer eingelegtes Gemüse, gegrillter Fisch, lecker gewürzte Zwiebeln und und u gereicht.

Was sich im Bezug aufs Essen jeden Tag aufs Neue als riesige Herausforderung erwiesen hat, war die Tatsache, dass ich weder Fleisch noch Fisch esse. Das Wort „vegetarian“ kennt hier einfach niemand und verstehen können sie diesen „Wahnsinn“  beim besten Willen nicht. Hier wird immer Fleisch oder Fisch in irgendeiner Form gegessen. Ob zum Frühstück, Mittag- oder Abendessen. Auch die Snacks zwischendurch bestehen hier immer aus Tier. Dazu kommt, dass hier so gut wie einer Englisch spricht. Nicht mal ein bisschen und nicht mal die jungen Leute. Es war allerdings nicht nur schwierig, sondern auch immer äusserst amüsant. Denn (und das macht das Land für mich so liebenswert), die Menschen sind hier unglaublich freundlich. Kaum in einem anderen Land habe ich solch eine Hilfsbereitschaft erleben dürfen wie in Südkorea. Hat man eine Frage, dann wird die auch beantwortet (auch wenn man nicht verstanden wird). Man wird zum Nachbarn geschleppt, zum Bahnhof gefahren oder es wird einmal um die Welt telefoniert wird. Aber gelöst wird das Problem. Auch Gastfreundschaft wird hier ganz gross geschrieben. Ich habe meist bei Einheimischen gewohnt. Ganz oft wurde ich dort oder bei Nachbarn zum Essen eingeladen. Eines Abends  in einem Restaurant hat ein Polizeibeamter darauf bestanden, mir das Abendessen zu bezahlen (die Rechnung ging womöglich an die Stadt :-P) und beim Wandern wurde ich von wildfremden zum Mittagspicknick  eingeladen. Ganz grosses Kino, welch Berge an Leckereien die Koreaner auf den Berg schleppen.

Und dann sind die Koreaner einfach total aufgeschlossen, interessiert und liebenswert. Fremde werden einfach angesprochen (auf Koreanisch versteht sich) und  das Gequassel und Gelächter nimmt kein Ende. Ob man sie versteht oder nicht, ist egal. Schaut man sie mit fragendem Gesicht an, wird einfach lauthals gelacht. Und es bleibt nichts anderes übrig, als mit zu lachen. Lachen – eine tolle Art der Verständigung. 🙂

Gestartet hab ich meinen Trip am Anfang Mai in Seoul. Eine teilweise sehr ruhig und grün wirkende Stadt, teilweise aber auch bunt, laut und pulsierend. Hinter den riesigen, alten Palastanlagen und hölzernen Tempeln ragen ultra-moderne, gläserne Bürotürme in den Himmel. Neben westlichen Fast Foot Restaurants sitzen Familien und Freunde im lokalen Restaurant beim Barbecue zusammen und trinken Soju (Schnaps mit Wasser verdünnt). Ich hatte grosses Glück. Während meines Aufenthaltes fand ein grosses Kulturelles Festival in der ganzen Stadt statt. Eintritte in Museen waren ermässigt, Malerei und Fotos wurden ausgestellt und ganz viele Musik- und Tanzvorstellungen geboten. Das absolute Highlight war ein Konzert der Seoul Symphonie im Park des alten Königspalastes. Gänsehaut pur!

In Seoul habe ich drei Tage verbracht.

Danach bin ich mit dem Bus in Richtung Osten, nach „Sokcho“ gefahren. Dort habe ich bei einer Familie gewohnt. Unglaublich lieb und gastfreundlich. Ganz überraschend wurde ich täglich zum Frühstück  und Abendessen eingeladen. Immer riesig, traditionell und sooooo lecker. Rund um „Sokcho“ liegt der „Seorsaksan Nationalpark“ mit dem „Mount Seorak“, der wunderbar zum  Wandern einlädt. Nach Seoul habe ich hier die Natur genossen. Das hab ich auch gebraucht.

Nach drei Tagen hier ging’s weiter in Richtung Süden nach „Gangneung“. Dort habe ich in einem kleinen Guesthouse übernachtet, das von einer lieben Mama und ihrer Tochter (etwa mein Alter) betrieben wurde. Die Mama reist gerne und hat vor einem Jahr entschieden, nachdem die Kinder ausgeflogen waren und Zimmer brach lagen, ein Guesthouse zu eröffnen. Und das, so denke ich, macht sie sehr erfolgreich. Und es ist auch eine wunderhübsche Oase in mitten eines Wohnvirertels. Mit ganz viel Liebe gestaltet und geführt. Das Frühstück, das im Wohnzimmer serviert wurde, war auch hier landestypisch und äusserst lecker.

„Andong“ war mein nächster Stopp. Hier habe ich in einem traditionellen Haus übernachtet. Gesamt wurden dort drei der Zimmer vermietet. Allerdings war ich zu dieser Zeit der einzige Gast. Ich hatte also ein ganzes Haus mit Garten und Terrasse für mich alleine. J Nicht weit von „Andong“ kann man traditionelle und ganz schön restaurierte Dörfer anschauen.

Nach drei Tagen in hier war „Gyeongju“ mein nächstes Ziel. Hier habe ich auch wieder mal in einem kleinen und ganz hübschen Guesthouse übernachtet. Ich war übers Wochenende hier und es wurde ganz viel Kulturelles geboten. Von Livekonzerten im Park über Fotoausstellungen und Tanzvorführungen. Und wie sich doch immer so wunderbar alles fügt, wenn man Augen und Ohren offen hält, hat mir eine ganz liebe Frau, die mit ihrer Familie übers Wochenende auch hier war, ihre Wohnung als nächste Unterkunft angeboten. Ich habe sie nach schönen Orten im Süden am Meer gefragt und da sagt sie doch „wir wohnen ganz in der Nähe, wo du hinmöchtest und haben ein Zimmer bei uns zu vermieten. Das habe ich mir nicht zweimal sagen lassen. Am nächsten Tag ging’s also nach „Busan“. Zuerst habe ich zwei Tage im Zentrum in einem Hostel verbracht, um die Stadt zu erkunden. Im Anschluss ging’s zu Anne und ihrer Familie nach „Haeundae“, der Strandort Busans. Anne hat mich am Bahnhof abgeholt und mir erst mal die Gegend gezeigt. Die Wohnung war bombastisch mit grosser Terrasse auf der ich jeden Morgen mein Frühstück mit Blick aufs Meer genossen hab. Des Weiteren hab ich mich hier in den umliegenden Fischerorten und am Strand verweilt. Anne und die beiden Mädels (5, 7 Jahre) waren zuckersüss. Den Papa habe ich nicht wirklich oft gesehen. Doch er ist Tai Chi Lehrer und unterrichtet zu Hause. An einer der morgendlichen Privatstunden durfte ich teilnehmen. Weils hier so schön war, habe ich noch einen Tag dran gehängt und bin gesamt vier Tage geblieben.

Im Anschluss wollte ich auf einer Bio-Farm für die restliche Woche arbeiten. Die Idee kam mir ganz plötzlich und spontan. Ich hab auch einige interessante Sachen gefunden. Allerdings war’s dann doch ein wenig zu kurzfristig.

Also wurde mein Plan angepasst und ich bin weiter nach Südwesten gereist und habe die so schön beschriebene Insellandschaft besucht. Gewohnt hab ich in „Tongyeong“. Zuerst habe ich das Zentrum und eine der umliegenden Inseln „Bijindo“ besucht. Gewohnt hab ich die zwei Nächte in einem Guest House. Die erste, nicht wirklich charmante Unterkunft. Im Rest Asiens würde ich sie als Standard bezeichnen, hier wurde ich die vergangenen Wochen dagegen ganz schön verwöhnt. 😉

Wie die Zeit auch immer rennt, wenn’s schön ist, hatte ich schliesslich noch vier Tage bis ich mich auf den Rückweg nach Seoul machen musste. Für die letzten Tage hab ich mir dann noch mal nen Glücksgriff geleistet. Etwas südlicher, am Rande des Nationalparks gelegen aber immer noch in „Tongyeong“, habe ich in einem wieder mal äusserst hübsch herausgeputzten Guest House übernachtet. Es wurde von einer ganz lieben Frau vor einigen Monaten eröffnet. Sie hat vor vielen Jahren in Österreich gelebt und entsprechend glückliche war sie, ihr deutsch ein wenig auffrischen zu können. Sie hat mich rundum versorgt. Nachmittags gab’s Melone oder Eis, wenn ich irgendwo hin wollte, hat sie mich gefahren. Hier habe ich den Nationalpark erkundet, bin die Küste entlang spaziert und auf den Berg gekraxelt (tolle Aussicht auf die umliegenden Inseln!!!).

Und ja, dann war‘s auch schon Donnerstag. Ich hab mich auf den Rückweg nach Seoul gemacht. Dort hab ich in der gleichen Unterkunft wie zu Beginn für eine Nacht geschlafen und nun sitze ich hier am Flughafen und warte auf meinen Heimflug. Ne lange Reise wartet auf mich. Bin 40 Stunden unterwegs. Habe zunächst 17 Stunden in Hongkong. Da will ich mir die Stadt ein wenig anschauen. Und dann geht’s über Abu Dhabi zurück in die Heimat.

Alles in allem hat Südkorea nicht unbedingt die gigantischsten Highlights zu bieten, wie andere Länder sie haben. Dennoch kann man hier ganz viel sehen und erleben. Für alle, die in Asien schon viel gesehen haben, ist es auf jeden Fall ein lohnenswertes Reiseziel.

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