Als ich letzten Sommer zum ersten Mal nach Island gereist bin, stand für mich fest, hier will ich noch mal hin. Und als ich kurz darauf meinen Job gekündigt hab und mich für meine grosse Reise entschieden habe, war ganz klar, Island soll ein Teil der Reise werden. Mit den richtigen Kontakten und viel Durchhaltevemögen hatte ich Ende Februar endlich die Zusage, über den Sommer in Island arbeiten zu können.
Und nun bin ich hier. In Kálfóll, einer Farm im Süden Islands, ca. 20 Minuten von Selfoss. Hier werde ich den Sommer über Reittouren als Guide begleiten und auf dem Hof mithelfen.
Vor einer Woche bin ich angekommen und habe die erste „Golden Circle“ Tour miterlebt.
Dunkelheit habe ich seither auch nicht mehr gesehen (es wird nachts momentan etwa 2 – 3 Stunden dunkel). Das ist ne ganz schöne Umstellung.
Meine „neue Familie“ besteht aus Mama Magret, Papa Gestur, den beiden Söhnen Egill und Hannes, Border Collie Hatti und etwa 160 Islandpferden (nenne die bloss nie „Pony“!!!). Ausserdem sind hier meist ein paar weitere Mädels zum Arbeiten da. Die meisten allerdings immer nur für ein paar Wochen. Derzeit teile ich mir die Zimmer und die Arbeit mit den beiden Finninnen Evelina und Anuka. Das Haus ist also quasi immer voll.
Ich wurde hier ganz herzliche empfangen und hab mich gleich super wohl gefühlt. Ich bin mir ganz sicher, hier werde ich eine super Zeit haben.
Den ersten Tag vor Beginn der Tour stand allgemeine Stallarbeit an, Pferde mussten probegeritten und Vorbereitungen für die Tour getroffen werden.
Und Montag ging’s dann los. Meine erste Tour als Guide. Die Gruppe bestand aus 14 Leuten aus Deutschland, Frankreich, Schweden, Norwegen, Finnland, England und den USA, 6 Guides und rund 50 Pferden (pro Person ca. 2,5 Pferde). Um die Pferdlis zu schonen, wurde jeden Tag ein bis zweimal gewechselt. Entsprechend viele Pferde haben wir gebraucht. Die, die nicht geritten wurden, liefen in der Herde frei mit. Drei bis vier Leute waren dabei, um die Herde zu führen und aufzupassen, dass niemand ausbüxst. Ich war einer der „herding guides“. Mit gemütlichem Reiten hat das recht wenig zu tun. Es ist eher Cowboy-reiten und eigentlich ist die ganze Zeit Action angesagt und es geht ganz schön laut her. Also ganz und gar nicht das Reiten, das man von daheim gewohnt ist. Der Adrenalinpegel ist entsprechend hoch. Aber es macht auch riesig Spass. Bei dieser Aufgabe kann ich noch ganz viel lernen und Erfahrung sammeln.
Wir sind täglich rund fünf bis sechst Stunden im Sattel gesessen. Ausserdem musste davor und danach alles drum rum organisiert und geregelt werden.
Wir waren unter anderem in „Gullfoss“ und „Geysir“, waren im warmen Wasser der „Secret Lagoon“ baden, sind in den Bergen geritten und haben echt tiefe Flüsse durchquert (sogar mit meinen kurzen Beinen war ich bis fast zu den Knien im Wasser). Die Pferde hier sind einfach klasse. Ohne mit der Wimper zu zucken gehen die da durch.
Auch mit dem Wetter hatten wir richtig Glück. Die ersten fünf Tage wurden wir mit einem Sonnen-Wolken-Mix verwöhnt, wenn auch „nur“ bei 15 – 18 Grad (aber das ist nun mal Island) und nur am letzten Tag hatten wir am Vormittag Regen.
Die vergangenen beide Tage nach der Tour haben wir mit Putzen der Sättel, Satteltaschen und Trensen verbracht. Wenns auch nur einen Tag geregnet hat, die Sachen sahen aus wie Sau.
Die kommende Woche ist die einzige Woche im ganzen Sommer, an denen von hier aus keine Tour stattfindet. Die Zeit wird daher genutzt, um Pferde für die darauffolgenden Touren zu probieren und auszusuchen. Ausserdem hab ich die Hoffnung, dass vielleicht ein oder zwei Tage übrig sein werden, um ein wenig raus zu kommen und was anzuschauen zu können. Aber das wird sich zeigen.
Bis dahin „bless bless“ aus Island und bis bald…