Wow, ich bin mittlerweile schon seit fast vier Wochen hier. Ich blicke zurück und denke, wo ist die Zeit hin gegangen. Auf der anderen Seite fühlt sich alles so vertraut an, so gewohnt. Als wär ich schon Ewigkeiten hier und Teil meiner isländischen Familie.
Mir geht es so unglaublich gut hier. Ich arbeite viel -viel mehr als zu Hause- und die Tage sind lang (ein Glück wird es hier nicht dunkel ;-). Einen freien Tag nehme ich mir eigentlich nie. Wenn man auf einer Farm lebt, gibt es einfach immer was tu tun. Klar, könnte ich mir zwischen den Touren frei nehmen (sie wollen mich quasi schon dazu drängen), aber das kommt für mich nicht wirklich in Frage. Es ist selbstverständlich, dass ich mit abpacke, wenn Arbeit da ist. Die Familie macht das schliesslich auch. Den ganzen Tag bei Wind und Wetter (und das kann hier trotz Sommer hier echt eklig sein) draussen sein. Die Hände dreckig machen und überall mitanpacken. Reiten, Stall ausmisten, Pferde füttern, Sättel und Trensen nach den Touren putzen, kochen backen, Pferde von A nach B fahren oder in der Herde bringen usw. Es ist einfach immer was los. Und das tolle für mich ist, ich liebe, was ich tue. Es fühlt sich in keinster Weise nach Arbeit an. Es ist genau das, was mir Spass macht. Draussen sein, mit Tieren und Menschen. Und das sagt mir ein weiteres Mal, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Hier bin ich richtig und glücklich. Das ist mein Weg.
Die Touren waren bisher alle klasse. Letzte Woche war ich auf der ersten „Landmannalaugar“ Tour. Es war so toll. Ich war zum ersten mal in dieser Gegend und völlig beeindruckt. Als würde man in eine andere Welt eintauchen. Eine Mischung zwischen Mondlandschaft, Schneebergen und Seen-Moos-Landschaft als Ölgemälde.
Als ich letztes Jahr zum ersten Mal zusammen mit Katrin in Island war und wir zum ersten Mal die freilaufende Herde über den Berg kommen gesehen haben, hatten wir Gänsehaut und Pippi in den Augen. Das war ein ganz unbeschreiblich toller Moment. Ich dachte immer, das kommt nicht mehr. Aber nein, Island bietet ganz viele Gänsehautmomente. Immer wieder. Stapft die Herde in ihren unzähligen Farben vor einem die Berge im schwarzen Lavasand hinauf, darüber blauer Himmel und schneeweisse Schäfchenwolken. Zum Weinen schön.
Auf dieser Tour Übernachten wir in ganz einfachen Berghütten in Schlafsackunterkünften. Teilweise ohne warm Wasser und Strom, von Internet und Telefon ganz zu schweigen. Luxus ist hier gar nicht. Und gerade das macht es für mich aus. Einfach Natur pur. Auch viele Einheimische verbringen ihre Wochenenden hier. An den immer hellen Abenden sitzt man im dicken Wollpulli draussen und singt zusammen bei Gitarrenmusik und Kerzenschein. Für uns Mitteleuropäer lustig, wie die Isländer bei rund 0 Grad sagen „ich liebe diese Sommerabende“. Aber auch ich liebe das Leben hier.
Gestern kam die neue „Landmannalaugar“-Gruppe an. Der erste Tag ist relativ ruhig und noch ohne Herde. Den leite ich meistens. Heute (donnerstags) startet das „ernste“ Programm. Wir haben rund 60 Pferde und 20 Reiter (inklusive Staff) dabei. Bei einer Herde von 40 Pferden kann’s ganz schnell auch mal hecktisch und laut zugehen. Aber ich liebe es.