ABC – viel mehr als nur drei Buchstaben

Zurück in der Zivilisation kann ich euch endlich vom ersten und grossartigen Teil meiner Zeit in Nepal berichten.

Nach einem Tag in „Kathmandu“ habe ich mich mit dem Bus auf den Weg in Richtung „Pokhara“ gemacht. Dort am Busbahnhof angekommen, hat mich gleich mal ein richtig heftiges Gewitter mit Blitz und Donner, strömendem Regen und dicken Hagelkörnern begrüsst. Auf den Strassen stand innerhalb von 10 Minuten das Wasser gleich mal 30 cm hoch. Da kam gleich mal richtig Freude auf! Dennoch hab ich auf Anhieb eine ganz tolle Unterkunft bei ner ganz lieben Familie gefunden. In „Pokhara“ hab ich einen Tag verbracht, bevor ich voller Vorfreude auf die Berge mit dem Bus frühmorgens nach „Nayapul“ (1.070 m, einer der Ausgangspunkte für Trekkingtouren in den Annapurna) gefahren bin. Und dann gings auch gleich schon los. 🙂

Bepackt mit meinem grossen Rucksack, Schlafsack und einer Landkarte habe ich mich auf den Weg nach oben in Richtung Wolken gemacht. Es ging allerdings nicht wie erwartet, stetig steil nach oben. Es stellte sich gleich heraus, dass jeder Fluss doppelte Mühe bedeutet. Denn kämpft man sich hier auf einen Berg hoch, geht‘s auf der anderen Seite direkt genauso steil wieder nach unten zum Fluss und  dasselbe auf der anderen Flussseite wieder nach oben (wenn nicht sogar noch weiter und steiler). Aber was will man machen. Ohne Fleiss keinen Preis. So ging‘s den ganzen ersten Tag weiter, bis ich mich am späten Nachmittag entschieden habe, in „Chomrong“ (2.170 m) Halt zu machen. Der Weg zum Annapurna Base Camp ist recht gut ausgebaut und Verpflegungsstationen und Dörfer mit Unterkünfte findet man alle 1 – 2 Stunden. Man kann sich also ganz spontan entscheiden, wo und wann man einkehren und übernachten möchte (sofern man nicht zu Thai New Year unterwegs ist, aber dazu später).

Am nächsten Morgen ging‘s nach einem frühen Frühstück weiter. Bin jeden Tag schon um 6 Uhr gestartet. Mit dieser Taktik bin ich ganz gut gefahren. So ist man die ersten Stunden noch ganz alleine auf dem Weg, die Temperaturen sind noch angenehm kühl und das Wetter und die Sicht super (die ersten beiden Tage hat’s nachmittags geregnet).

Nach erneutem auf und ab, wurden die nerven- und kraftraubenden Flusstäler von ersten Ausblicken auf die schneebedeckten Gipfel der Annapurna abgelöst. Die ersten Wow-Momente. Einfach gigantisch schön.

Von nun an ging’s meist nur noch steil bergauf. Das war entsprechend hart, aber man läuft die Höhenmeter zumindest nicht doppelt.

Ich hatte vor, die nächste Nacht in „Himalaya“ (2.920 m) zu übernachten. Schon am frühen Nachmittag und völlig kaputt angekommen, musste ich mir in beiden Unterkünften anhören „sorry, no bed“. Erst mal war ich richtig frustriert. Das bedeutete nämlich, ich musste mich weitere zwei Stunden den Berg hochkämpfen, um das nächste Dorf zu erreichen. Aber es blieb mir nichts anders übrig. Und wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Wie sich später rausstellte, war diese Mühe ein Segen. Nicht nur, weil ich somit gleich einen grossen Schritt näher am Base Camp war, sondern auch, weil ich in „Deurali“ (3.230 m) Deborah aus Spanien kennengelernt hab. Wir haben uns gleich super gut verstanden und lieb gewonnen und ich bin um eine richtig gute Freundin reicher. Wieder mal der Beweis, dass es keine Zufälle gibt. Alles ist vorherbestimmt und wir treffen genau die Leute, die wir treffen müssen.

In „Deurali“ hab ich gerade noch das letzte Bett bekommen. Deborah hat, wie so viele andere, vor allem die Guides und Porter, im Dining Room geschlafen. Ich war erst ein wenig  schockiert. Ob das wohl immer so ein Kampf um die Betten hier ist??? Wie sich allerdings herausstellte, feiern die Thais gerade Thai New Year. Und diese lieben Menschlein reisen gewöhnlich gerne in Gruppen und buchen die Unterkünfte schon im Voraus. Hab mir also genau die richtige Woche hier ausgesucht. *Schulterklopfer, Ramona* 😛

Jedenfalls war ich hier schon recht weit oben. Viel weiter und schneller als geplant. Das Base Camp (4.130 m) lag nur noch zwei Stationen entfernt. Somit machte eine Übernachtung ganz oben (sofern ich die Zeit gut nutzen wollte) nicht viel Sinn. Bin am nächsten Morgen wieder früh losgestiefelt und schon bald im Schnee angekommen. Da kam doch glatt ein bisschen Heimweh nach Schnee und Skifahren auf. Ne ganze Weile war ich die erste auf dem Weg. Es war herrlich. Kalt und glasklar die Luft. Die Sonne kroch langsam hinter den Schneegipfeln hervor. Es war einfach überwältigend schön! Mehr und mehr, je weiter ich nach oben kam. Umgeben von einer solch gewaltigen Bergkulisse, wurde mir wieder einmal bewusst, wie klein wir Menschen und unsere Problemchen auf dieser Welt doch eigentlich sind.

Um 9 Uhr war ich dann endlich oben, als erste und ganz alleine. Hab mir einen heissen Ginger Lemon Tee bestellt, mir ein Plätzchen in der Sonne gesucht und einfach nur genossen. So toll hier, einfach unglaublich schön und imposant.

Den Weg nach unten hab ich im Anschluss bis nach „Bamboo“ (2.310 m) gemacht. Hier sollte ich erst das letzte Plätzchen im Dining Room zwischen all den Nepali Guides bekommen, dann ist aber doch noch ein Bettchen in einem Zimmer für mich frei geworden. 🙂

Da ich sehr gut in der Zeit war, habe ich mich entschieden, noch eine Schlaufe dran zu hängen, statt gleich den Weg zurück in Richtung „Nayapul“ in Angriff zu nehmen. Ich habe auch gleich gemerkt, warum alle, die mit Guide unterwegs sind, die Tour andersrum machen. Mit schon ganz schön müden Beinen ging’s gefühlt unendliche Treppenstufen nach oben bis nach „Tadapani“ (2.630 m). Das war für mich definitiv der anstrengendste Teil der Tour. Auf dem Weg dort hin (selber am kämpfen) hab ich noch nen Nepali aufsammeln und motivieren dürfen. Er sass fix und fertig am Wegesrand und meinte nur, „Ich bin so froh dass du mich gefunden hast. Dachte schon, ich hab mich verlaufen und alleine hätte ich keine Motivation und Kraft mehr gehabt, mich weiter nach oben zu kämpfen.“ Also hab ich ihn mitgenommen. Und oben angekommen, ging das bekannte Spiel um die Betten weiter. Alle Unterkünfte waren voll. Ich hab dann ein kleines Guest House gefunden und den Papa bequatscht, mir bitte ein Bett zu geben, egal, ob im Dining Room oder sonst wo. Er meinte „da schlafen aber eigentlich nur Nepali. Da könne ich nicht schlafen“. Ich blieb hartnäckig und habe etwas Mitleid erregt. Denn schlussendlich hat er mir das Bett gegeben. Später als, ich auf der Terrasse mit ner Tasse Tee sass, setzte er sich zu mir und meinte „er hätte mir ein richtiges Zimmer, denn ich sollte nicht im Dining Room schlafen“. Ich bin ihm also in den privaten Hausteil der Familie gefolgt und da hat er mir ein frisch hergerichtetes Zimmer präsentiert. Jemand, vermutlich die Kinder mussten ihr Bett für mich räumen. Und am nächsten Morgen wollte er nicht mal was berechnen, denn das war ja kein „richtiges Zimmer“. Die Nepali sind einfach unglaublich lieb und gastfreundlich!

Mein nächster Stopp war „Gorepani“ (2.860 m). Das war ein relativ kurzer aber anstrengender Marsch. Ich kam schon vormittags an und konnte den Rest des Tages in der Sonne geniessen. Hier gab‘ s dann endlich gleich beim ersten Versuch ein Bett, sogar ein eigenes Zimmer.

Am nächsten Morgen stand dann schon die letzte Etappe an. Mit gemischten Gefühlen habe ich mich die 3.600 Treppenstufen, einige Kilometer und viiiieeeele Höhenmeter nach unten nach „Nayapul“  bewegt. Ich war richtig wehmütig und wollte die tolle und ruhige Bergwelt gar nicht verlassen. Andererseits war ich sehr stolz auf mich, das geschafft zu haben (und vor allem in so kurzer Zeit) und meine müden Beine und geschundenen Füsse freuten sich auf Erholung.

In „Nayapul“ angekommen, kam dann auch gleich ein Bus nach „Pokhara“. Für €1,50,- fährt man hier gleich mal zwei Stunden Bus. Eigentlich wollte ich mich erst noch in ein Café setzen und die Tage in den Bergen würdevoll ausklingen lassen. Dem war aber leider nicht so. Schwubs war ich zurück in der lärmigen Zivilisation in „Pokhara“ und wär am liebsten wieder zurückgefahren. Wie schnell man sich doch an eine Umgebung gewöhnt. Vor allem, wenn‘s so schön ist.

In „Pokhara“ bin ich wieder zur gleichen Familie gegangen und wurde von allen wie ein Kind nach langer Abwesenheit empfangen. Deborah hab ich den Ort auch empfohlen und sie kam auch gleich ne Stunde später an. Habe mich riesig gefreut sie zu sehen. Hier hatten wir drei tolle Tage zusammen. In Nepal wurde Nepali New Year gefeiert und das bedeutete ein dreitägiges Festival. Und wir mittendrin. Es war super lustig. Ich bin hier nun schon im Jahr 2074 angekommen und seh noch kein Jahr älter aus. 😉

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